A: "Was ist denn das?"
T: "Eine Kupferschlucht - 4 mal so gross wie der Grand Canyon und sicherlich genauso beeindruckend"
A: "Das glaubt Dir doch eh kein Mensch"
...der aussichtlose Versuch eines Reiseberichts...
Begonnen hat alles mit dem Flug nach Chihuahua, Samstag morgens um 6 Uhr - wirklich viel Lust hatte ich nicht als ich mich aus dem warmen Bett gequält habe.
Doch bereits auf dem Weg mit dem Bus ins 5 Stunden entfernte Creel wusste ich das es sich gelohnt hatte nicht auszuschlafen.
Karge Steppenlandschaften, kleine Siedlungen, Männer mit Sombreros und Cowboystiefeln die bereits am frühen Morgen im Bus die Mezcalflasche kreisen lassen. Worte wechslen sie dabei nicht... Ein hartes Stück Land hier draussen in der Sierra...
In Creel angekommen traue ich meinen Augen nicht...
Auf 2300 Metern gelegen und von Pinienwäldern umschlossen scheint hier die Zeit stehen geblieben zu zu sein.
Es gibt nur eine einzige Strasse, mit hohen Gehsteigen wie man sie aus Western kennt. Hier hängen sie rum, die Machos Mexicanos, die Zeit totschlagend und beobachtend was denn so passiert in der 1500 Seelengemeinde.
Die Nachfahren der stolzen Tarahumara-Indianer stellen ihre Kunstwerke zum Verkauf, Backpacker flanieren die Strasse entlang, es liegt viel Staub in der Luft - sonst tut sich nicht viel.
Die Hektik aus Monterrey ist mit einem Schlag weg, die Zeit tickt langsamer und ich schnaufe erst einmal durch...
Im Hostel angekommen lerne ich mit Balder & Esther gleich nette Leute kennen. Es werden noch viele weitere folgen die mir im Casa Magarita über den Weg laufen. Der Fahrradmechaniker Jason aus Alaska, die trinkfesten Fotografen Xavi und Marcel aus Katalonien, ein verrückter Philosphie Professor aus Schlesien der nächtlich seine verstorbene Frau nach der neuen Reiseroute befragt und uns mit Monologen ebenfalls an den Rand des Wahnsinns treibt. Martin und Nadine aus Deutschland die seit 5 Jahren die Welt bereisen - mit dem Fahrrad...
Und natürlich die netten Studentinnen aus Mazatlan mit denen ich die meiste Zeit des Trips verbracht habe.
Wir gehen in heissen Thermalquellen baden, besteigen Berge, bestaunen Aussichten die man nicht auf Polaroid bannen kann. Wir geniessen die Stille und Einsamkeit der Natur, atmen die klare Bergluft, philosphieren über dies und das, sprechen mit den Einheimischen und lassen die Zeit verinnen.

Abends essen wir an der grossen Tafel im Casa Magarita, bei einem Sprachwirrwarr das seinesgleichen sucht - Backpacking vereint die Welt, lässt uns gemeinsam Grosses planen!
Weil es so schön ist spülen wir diese Gespräche danach gleich in der Kneipe mit viel Indio-Bier runter - die Völkerverständigung gelingt nun noch besser.
Ana, die schwarze Sängerin (mi negra linda) erzählt über das Leben, wir nicken und brauchen Tequila.
Am Tag der Abreise machen Aude, Johanna und ich noch einen kurzen Ausflug mit Manuelito - einem 80jährigen der seinen grünen Suburban Geländewagen so geschmeidig steuert als wäre es sein ein und alles. Seine ausgefallenen Haare tarnt er mit einem blütenweisen Sombrero. Hektik kann er nicht leiden, also geht es gemütlich dahin zu Wasserfallen und der Mission. Seit 33 Jahren lebt Manuelito in Creel - wo er vorher war? In Cuathemoc - 100 Kilometer entfernt...
"Es ist alles viel moderner geworden", sagt er,"viel mehr Menschen leben nun hier und aus den ursprünglichen 2 Hotels sind nun an die 50 geworden".
Während er dies erzählt passieren wir ein Restaurant, an dem der Junge des Besitzers mühevoll mit Pinsel und Farbe ein Werbeschild erneuert. Offenbar nimmt er sich dafür den ganzen Tag Zeit. Ja, es ist wirklich hektisch geworden in Creel, diesem pueblo magico.
Die Tarahumara leben immer noch hier in der Kupferschlucht - die Kinder sind schüchtern, aber wenn sie etwas verkaufen wollen dann reden sie. Heute kaufen wir nichts, aber wir schauen den Frauen am Arareko-See beim Flechten von Körben zu. Die Männer arbeiten nicht, sie trinken vielmehr den ganzen Tag billigen Schnaps.
"Damit es ihnen nachts beim Einschlafen warm ist" kommentiert Manuelito und lacht uns lausbubenhaft mit seinen drei verbliebenen Zähnen an.
Nun gehen wir gemächlich der Abfahrtszeit des Zuges zu.
Der eigentliche Grund dieser Reise, mit dem Chepe nach Los Mochis am Pazifik zu reisen, habe ich schon fast vergessen. Creel infiziert einen schnell mit Gelassenheit...
Wir bekommen unsere Plätze in der Clase Economica, die wir nur selten belegen.
Vielmehr halten wir uns lieber auf den Plattformen zwischen den Zügen auf und geniessen die nach Pinien duftende Luft und den grandiosen Ausblick.
Das Bordrestaurant ist sporadisch, daher stärken wir uns wie am Vortag in Divisadero mit Gorditas.
Die Schaffner kaufen am gleichen Stand wie wir - alles richtig gemacht...
Mein Kompliment an die Besitzerin, die besten Gorditas Mexikos zu servieren (auch außerhalb Zacatecas) beschert uns eine kleine Gratiswegzehrung für den Zug - die wir umständlich nach innen schmuggeln, da das Essen im Abteil untersagt ist.

Die 12 Stunden der Fahrt sind abwechlungsreich, die Landschaft hat viel zu bieten und die Leute kommen mit uns in Gespräch. Eine mexikanische Familie wird bei mir vorstellig und nach der Präsentation der 70jährigen Mutter wird ein "Bienvenidos en México" gewunschen - die Leute in diesem Land sind einfach unglaublich.
Wir unterhalten uns über Südamerikareisen und was uns von zu Hause fehlt: Familie, Schinkenbrot... "Oh Mann gib Dir mal den Ausblick".
Mittlerweile ist es stockdunkel, die Vorräte sind aufgebraucht, mein Gesicht klebrig vom Ruß der Lok und wir sehnen uns nach einer Dusche und einem Bett.
Außerdem machen uns die grasrauchenden jungen Männer aus Sinaloa Angst, die uns immer wieder auf die Vorzüge Los Mochis hinweisen - Frauen und gutes Dope...
Dort angekommen geht es gleich weiter mit dem Bus nach Culiacán - einem Ort der nicht mal im Lonely Planet auftaucht, dafür aber in letzter Zeit durch einige Morde und Gewaltverbrechen auf sich aufmerksam gemacht hat.
Hier trennen sich unsere Wege - die Mädels holen das Bett und die Dusche nach.
Ich warte am Busbahnhof darauf das der Flughafen öffnet und ich dort weiter warten darf.
Mit dem Schreiben dieser Zeilen halte ich mich wach und denke an diese grossartige Reise zurück.
Es ist 4 Uhr morgens - zum bestimmt nicht letzen Mal schaue ich mir die Bilder vom wilden Westen Mexikos an:
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| Von Barranca del Cobre |
Euch auch viel Spass damit.
Beste Grüsse
Tobi
PS: Diese Reise habe ich meinem lieben Opa (dem originalen Fritz) zu verdanken. Denn er hat mir geraten, die Reise zu unternehmen und mir als Vorspeise diesen Zeit-Artikel geschickt. Absolut empfehlenswert zu lesen:
http://www.zeit.de/2008/31/Mexiko
Danke Opa!!!
Track 14 Kings of Leon - Knocked Up





